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Interview mit der 1st-finder AG

Veröffentlichungsdatum: 11.10.2008

Bei der 1st-finder AG handelt es sich um einen Fundservice.

Sehr geehrter Herr Steinmann,

PPB:
Bitte stellen Sie sich und Ihr Projekt kurz vor.
Herr Steinmann:
1st-finder® ist der erste Fundservice, der weltweit verlorene Gegenstände dem Eigentümer zurückführt. Vielen Lesern sind die einschlägigen Schlüsselfundmarken bekannt, welche in der Regel nur innerhalb eines Landes und natürlich nur für Schlüssel gelten. Immer mehr gehen aber andere Dinge verloren, welche mindestens so wichtig sind wie Schlüssel, nämlich elektronische Geräte (Handy, Laptop, Massenspeicher oder Digitalkameras) weil sie unwiederbringliche Daten oder gar klassifizierte Informationen enthalten. Auch Reisegepäck und teure Kleider können mit 1st-finder® gefunden und zurückgebracht werden.
Wir, das Team von 1st-finder® suchten nach einer geeigneten Lösung, sowohl für den Kunden, wie auch für uns als Dienstanbieter. Zusammen mit dem Logistikpartner DHL können wir nun den wirklich ersten, weltweiten Service anbieten, der keine Grenzen und Kontinente kennt.
Der Vertrieb läuft über Länderorganisationen, welche eine Länderlizenz lösen. Die gesamten Daten werden aber ausschliesslich von der Firma verwaltet. 1st-finder® kann sowohl als B2C, wie auch als B2B Produkt angeboten werden. Bei Letzterem werden die Fundmarken auf den jeweiligen Partner gebrandet und sind somit ein gefundenes Marketinginstrument. Die B2B Zielmärkte sind extrem vielfälltig, vom Mobilfunkanbieter über Reiseunternehmen bis hin zu Fundraisern, welche die 1st-finder® Marken den Spendenbriefen beilegen können.
Das 1st-finder® Team besteht primär aus Schweizer Studenten, welche je nach Studienrichtung verschiedene Funktionen bekleiden. Der Primus inter pares ist Beat Steinmann, der soeben sein 2. Studium als executive MBA abgeschlossen hat, die anderen Partner sind Studenten aus Basel, Bern und Zürich, sowie der Fachhochschule Nordostschweiz in Windisch. Sie werden im Aufsichtsrat durch Silvan Buntschu aus Basel vertreten und sind in der Regel selber an der Firma beteiligt.
Wir haben eine Aktiengesellschaft gegründet, damit die Rechte am Projekt auch bei den Gründern sind und nicht auf einzelne Partner beschränkt bleiben. Als Sitz haben wir Küssnacht im Kanton Schwyz gewählt, wo sich die Buchhaltungsstelle befindet, die operativen Büros sind jedoch näher bei den Akteuren oder eben den Universitäten und daher in Zürich.

PPB:
Wie kam es zur Idee ?
Herr Steinmann:
Die Studenten mussten Geld verdienen und wollten eigentlich eine reine Handy-Versicherung auf die Beine stellen. Dabei hat sich aber rasch gezeigt, dass unser Versicherungsrecht zu komplex für einen StartUp wäre, weshalb man sich vorerst auf den Fundservice beschränkt hat. Verhandlungen mit Versicherungsgesellschaften laufen aber bereits, denn für sie wäre eine Kombination von Fundservice und Versicherungsschutz eine willkommene Ergänzung zu den gängigen Angeboten. Kurz vor einem Abschluss steht ein Projekt mit einem der grössten Reiseversicherer Europas. Wir verhandeln in Grössenordnungen von mehreren Millionen Fundmarken pro Jahr.

PPB:
Wer sind Ihre Mitbewerber?
Herr Steinmann:
Weltweit tätige Mitbewerber, die Fundgegenstände physisch zurückführen kennen wir nicht, aber fast in jedem Land ein bis viele Schlüsselfundservice. Diese funktionieren nach unseren Test’s wie erwähnt hauptsächlich oder ausschliesslich landesintern. Für Handy und für Laptops etc. gibt es noch keinen vergleichbaren Dienst.

PPB:
Können Sie uns hier konkrete Mitbewerber nennen ?
Herr Steinmann:
Bekannte Schlüsselfundservice sind unter vielen anderen KEYMAIL, KeyBack und KeyBoomerang, daneben gibt es den Internetdienst You-Found-it, der aber nur zwischen Finder und Eigentümer vermittelt oder Bikefinder und BikeRefinder, die nur für Fahrräder gültig sind.
Am ähnlichsten funktioniert Easyfind von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB und ÖBB in Österreich, aber auch hier werden die gefunden Gegenstände nur im Fundbüro zur Abholung bereitgestellt. Die Auslösung muss zusätzlich bezahlt werden.

PPB:
Gibt es eine Marktanalyse, denn die Idee klingt in der Tat recht neu ?
Herr Steinmann:

Ja selbstverständlich, wobei diese sich auf die Märkte D, A, CH und F beschränken. Speziell wollten wir wissen, welche Gegenstände in welchen Mengen bei den Fundbüros lagern.

Hier eine Kurzzusammenfassung aus unserer Marktstudie. Unser mögliche Partner in Österreich, die Mobilkom Austria wollte natürlich auch Marktdaten von uns haben.

Die Daten basieren auf Erhebungen in den Monaten Juni bis August 2007. Erfasst wurden 12 Fundämter in der Schweiz, 2 in Deutschland und 2 in Frankreich. In Österreich hat der Lizenzpartner die Basisdaten ermittelt. In der Schweiz werden pro Jahr ca. 1,6 Mio Gegenstände auf Fundämtern abgegeben. Diese teilen sich auf in
  • 18 % Geldbörsen, Schmuckstücke, Brieftaschen und Taschen mit Wertinhalten (Geld, Kreditkarten, Schlüssel) welche meist einen Finderlohn auslösen.
  • 26% elektronische Geräte (Handy, MP3, Digitalkameras, Laptops) und herkömmliche Kameras, Radios etc
  • 22% Kleidungsstücke (Mäntel, Hüte, Regenschirme, Schals, Handschuhe, Schuhe)
  • 18% Gebrauchsgegenstände (Brillen, Schirme, Gehstöcke, Radfahrerhelme)
  • 8% reine Schlüssel (1 bis mehrere)
  • 5 % andere definierte Gegenstände (Musikinstrumente, Schultaschen, Einkaufstaschen)
  • 3 % Kuriositäten (von den 3. Zähnen über Bandsägen, Blumenvasen, Bilder, Kinderwagen bis zum Fixerwerkzeug)
Fahrräder und andere Fahrzeuge werden nicht erfasst, da diese bei den örtlichen Polizeistellen abzugeben sind.

Bei den Bundesbahnen sehen die Zahlen in etwa gleich aus, hier werden pro Jahr gegen 240‘000 Gegenstände registriert.

72 % der gefunden Gegenstände werden entweder entsorgt oder an Versteigerungen veräussert. Nur jeder 4. Gegenstand wird einem Eigentümer zurück gegeben, dabei liegen die Wertgegenstände naturgemäss deutlich im Vorsprung. Meist findet sich in einer Geldbörse irgend einen Hinweis auf den Besitzer.

In Deutschland werden bei den Öffentlichen Verkehrsbetrieben pro Jahr über 500‘000 Artikel registriert bzw. abgegeben. Hier entsprechen rund ein Fünftel den Kriterien Geräte/Apparate etc. lediglich 18 % können zurück gegeben werden.

In Paris werden pro Jahr 56‘000 Handys dem Fundbüro übergeben. Rund 40‘000 Fotokameras finden den Weg auf das öffentliche Fundbüro die Rückgabequote liegt nochmals tiefer, nämlich bei lediglich 12 % - Die Studie hat ergeben, dass dies wohl mit der hohen Anzahl an Touristen zusammenhängt. Dabei sind die Fundämter der Bahn und Verkehrsbetriebe nicht gezählt. Die Taxiunternehmen führen eigene Fundbüros, welche gemäss Aussagen permanent überfüllt sind, obwohl der Fahrer die Pflicht hätte, nach Ende einer Fahrt, das Wageninnere zu kontrollieren. Die Begründung liege darin, dass die Fahrten oft auf der Strasse enden und der Fahrer gar nicht aussteigen kann, sondern sofort weiterfahren müsse.

Auf Amerikanischen Flughäfen werden pro Woche 12'000 Laptops verloren. Der entsprechende Bericht dazu auf : http://www.inside-channels.ch/ Archiv vom 31.7.2008

PPB:
Wo findet man diese Marktanalyse?
Herr Steinmann:
Sie ist als Kurzfassung für Investoren bei uns erhältlich. Die volle Version wurde als Semesterarbeit gemacht und ist nicht öffentlich zugänglich.
Für uns steht im Mittelpunkt, dass wir den Markt sehr schnell und flächendeckend bearbeiten müssen. Das System 1st-finder® ist nicht patentierbar, deshalb müssen wir die Ersten sein. Die Marke wurde inzwischen weltweit geschützt und ist im internationalen Markenregister unter 973938 seit dem 8. August 2008 eingetragen. Wir beanspruchen die Klassen 39 Logistik und 45 darin enthalten die Fundbüros. Nach Madrider Abkommen sind die wichtigsten Länder von den USA über ganz Europa bis nach Japan und China sowie Australien für uns geschützt.

PPB:
Welche wichtigen Internetportale besitzen Sie?
Herr Steinmann:
Wir haben die wichtigsten 1st-finder® EU/DE/AT/CH/COM/NET und abgeänderte wie firstfinder bereits im Besitz. Im Herbst werden wir die weiteren noch reservieren.
Wir sind mitten drin, die Plattformen so zu gestalten, dass der Verkauf über Internet noch in diesem Herbst professionalisiert werden kann.

PPB:
Wer hat die ersten 100.000 CHF aufgebracht ?
Herr Steinmann:
Die Gründer und z.T. ihre Eltern, Bekannte und 2 Lizenznehmer

PPB:
Mit wem wurden besagte Lizenverträge geschlossen ?
Herr Steinmann:
Es handelt sich um die beiden Vertreter in Deutschland und Österreich, Dipl. Physiker G. Wessling der seit 15 Jahren in der IT Branche tätig ist und Friedrich Beinstein aus Wien, ein erfahrener Direktmarketingspezialist. Weitere konkrete Gespräche sind mit der Türkei, mit Slowenien, mit Italien und Frankreich weit vorangeschritten und in England und Japan stehen wir kurz vor dem Vertragsabschluss. Die Lizenznehmer leisten monatliche Fixkosten und zusätzlich je registrierte Fundmarken eine vereinbarte Gebühr. Mit den widerkehrenden monatlichen Gebühren decken wir unsere Fixkosten, z.B. für die Leistungen des Callcenters, welches 24 Stunden an 365 Tagen in bisher 4 Sprachen für den Kunden präsent ist. Die variablen Kosten decken die effektiv entstehenden Logistikaufwändungen für gefundene Gegenstände.

PPB:
Wo findet man Ihren Businessplan ?
Herr Steinmann:

Nur bei uns am Geschäftssitz, darin sind die wichtigsten Faktoren ersichtlich, die wir natürlich nicht preisgeben dürfen.
(Anzahl registrierte Fundmarken, Anzahl gefundene Gegenstände, Gewicht der gefundenen Gegenstände, Distanz der zu transportierenden Gegenstände, Wert der Gegenstände)

Wer diese Angaben hat, kann uns nachahmen. Es steht aber per 1. Oktober ein Prospekt für Investoren zur Verfügung, der den Businessplan bis 2011 recht gut abbildet. Wir können Ihnen aber hier verraten, dass wir per Ende 2009 625'000 registrierte Gegenstände anstreben und diese Zahl bis 2011 auf mindestens 2,5 Mio erhöhen wollen. Zudem wollen wir bis 2011 in mindestens 14 Ländern mit Lizenznehmern vertreten sein und einen Umsatz von knapp 4 Mio Euro bei einem EBIT von zirka 0,5 Mio Euro erwirtschaften. 20% davon werden durch Lizenzgebühren, 80% durch Fundmarken generiert. Die Hauptaufwandposten sind neben den Logistikleistungen im Marketing zu finden. 1st-finder® ist absolut nicht personalintensiv und wird zum grossen Teil durch dezentrale Infrastruktur sichergestellt. Die Personal- und Infrastrukturkosten belasten die Rechnung mit weniger als 5% vom Umsatz.

Sollte uns der Coup mit dem Reiseversicherungskonzern gelingen, werden alle Businessplanzahlen um ein Vielfaches übertroffen. Wir haben absichtlich konservativ geplant, um stets auf der guten Seite zu sein.

PPB:
Wann ist ein Börsengang geplant?
Herr Steinmann:

Wir verfügen nun über ein Eigenkapital von 100'000 CHF (63'000 Euro) und haben eine Erhöhung auf 150'000 CHF bereits beschlossen. Wenn wir uns langsam entwickeln wollen, dann bräuchten wir gar keine anderen Aktionäre und Investoren. Können wir aber zusätzliche Mittel generieren, dann ist ein Ausbau auf 20-30 Länder im besagten Zeitraum sichergestellt. Jedes zusätzliche Land benötigt Anlaufkosten. Wir haben seit unserem Start ein derart grosses Interesse für Länderlizenzen erfahren, dass wir ganz einfach selektiv vorgehen müssen, weil uns die Mittel einschränken.

Für uns ist der Börsengang dann ein Thema, wenn wir 1 Mio. registrierte Gegenstände oder eben nahezu eine Million registrierte Kunden vorweisen können. Dies kann 2010 sein, aber auch schon im kommenden Jahr, wenn wir denselben Start in Deutschland erwischen wie in Österreich und der Schweiz. Den Gang zur Börse sehen wir für sinnvoll, wenn 1st-finder® in vielen Ländern angeboten wird. Dann lässt sich ein Aktionariat nicht mehr mit Namenaktien aufrecht halten. Wir wollen, dass sich unsere Partner und Kunden an 1st-finder® beteiligen können. Dazu ist der Börsengang unumgänglich. Wir werden dann die heutigen 100 CHF Aktien sicher splitten.

Ob wir zuerst an den Open Market gehen oder direkt einen IPO ins Auge fassen, hängt ganz stark von den Fachleuten ab. Diese Managementkapazität können wir nicht vorweisen, da müssen wir uns auf Fachleute abstützen. Dies könnte auch ein Investor sein, der über das nötige Know How verfügt. Wenn wir eine Million Kunden registriert haben, dann können wir uns dieses Fachwissen aber auch auf dem Markt einkaufen.

Im Moment sind wir offen für Kapitalerhöhungen bis ca. 500'000 Euro. Bis zu diesem Betrag können die Gründer und ihre Angehörigen insofern mitziehen, dass wir in jedem Fall eine starke Minderheit von ca. 40% in den eigenen Reihen von 8-10 Personen halten können. Uns ist es ein Anliegen, dass die geistigen Väter im Boot bleiben und weiterhin mit Herzblut dabei sind.

Wenn das Kapital dann mal höher als 0,5 Mio ist, wird es auch so gestreut sein, dass wir nicht befürchten müssen, rasch einem unfriendly Takeover zum Opfer zu fallen. Die Gefahr besteht darum, weil wir schon heute und je länger je mehr über hochqualifizierte Daten verfügen, deren Schutz wir unseren Kunden versichern. Wem 1st-finder® gehört, der hat natürlich uneingeschränkten Zugang zu diesen wertvollen, aber eben auch sehr sensiblen Daten und das wollen wir möglichst verhindern.

PPB:
Wie kann ein Investor denn heute schon einsteigen?
Herr Steinmann:
Wir vergeben momentan Pakete zu 1-5 % am genehmigten Kapital von 150'000 CHF. Aktuell ist der Preis bei ca. 3:1. Sobald einer der anstehenden Verträge mit mehr als einer Million Fundmarken pro Jahr unterzeichnet ist, wird der Verwaltungsrat über das weitere Vorgehen beschliessen. Interessenten erhalten von uns den Prospekt für Investoren. Am besten kontaktiert man den VR Präsidenten über b.steinmann@1st-finder.eu oder telefonisch 0041 43 810 46 50 .

Vielen Dank für das Interview und Ihrem Unternehmen viel Erfolg,
Der Phönix-Börsenbrief


 

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