Die hier gegeben Informationen treffen keine Aussage über Kauf- oder Verkaufsabsichten. Darüber hinaus sagen sie nichts über Beteiligungen des Phönix-BörsenBriefes selbst noch naher Dritter aus. Info: Zum 11.2.2010 sind Bestände bei nahen Dritten bekannt.
Autor: Matthias Wahler, Veröffentlichungsdatum: 11.02.2010
Nach Jahren des Siechtums scheint eine bessere Zukunft anzubrechen
Bisher hatten die Aktionäre der eMind AG nicht viel zu lachen. Schon kurz nach dem Börsengang im Dezember 2006 musste der damalige Vorstand mitteilen, dass das Kerngeschäft im IT-Dienstleistungs-Bereich gescheitert ist und nicht fortgeführt werden kann, was erhebliche Wertberichtigungen nach sich zog und das Unternehmen an den Rand der Insolvenz führte. Die Hauptversammlung am 19.1.2008 sollte dann die Neuausrichtung der Gesellschaft beschließen. Vorgesehen war eine kombinierte Bar- und Sachkapitalerhöhung und die Einbringung der im Tourismus-Bereich tätigen Worldwide Events Sports and Travel GmbH. Zwei bekannte Aktionäre verhinderten dieses Vorhaben jedoch auf dem Klageweg – spätestens danach schien die Insolvenz unausweichlich zu sein.
Hauptversammlung arbeitet Vergangenheit ab
Zwei Jahre später gab es aber wieder ein Lebenszeichen. Für den 13. Januar 2010 hatte die eMind AG zu einer Hauptversammlung an den Sitz der Gesellschaft nach Aschaffenburg eingeladen. Die Tagesordnung umfasste mit den Geschäftsjahren 2005 bis 2008 gleich vier Jahresabschlüsse mit den entsprechenden Entlastungen, also quasi die Abarbeitung der gesamten Vergangenheit. Dennoch hielt sich das Interesse mit lediglich 20 angereisten Aktionären in Grenzen. Zuerst musste die Hauptversammlung dann einen Versammlungsleiter wählen. Besagte Klagen hatten nämlich auch verhindert, dass die vor zwei Jahren gewählten Aufsichtsratsmitglieder ordnungsgemäß ihre Positionen einnehmen konnten. Als Kandidat stellte sich Herr Michael Peter zur Verfügung, der ohnehin für den Aufsichtsrat kandidierte und der zudem mehr als 90 % der anwesenden Stimmen vertrat. Insgesamt waren 264.038 der insgesamt 350.000 Aktien anwesend, die Präsenzquote betrug 75,45 %.
Klagen verhinderten vor zwei Jahren die Neuausrichtung, …
Alleinvorstand Jochen Gehlert brachte in seinem Bericht nochmals seinen Unmut über die Aktionärsklagen zum Ausdruck, die die geplante Neuausrichtung komplett ausgebremst haben. Letztlich hat die Gesellschaft die Klage von Aktionär Peter Eck zwar für sich entschieden. Bei der anderen Klage von Klaus Zapf, die auf Formfehlern aufbaute, bekam jedoch der Aktionär Recht. Auf jeden Fall verzögerten die Verfahren trotz der gestellten Eilanträge die Neuausrichtung um mehr als eineinhalb Jahre, womit die geplante Einbringung der neuen operativen Tätigkeit obsolet war.
Zu diesem Zeitpunkt hatte nämlich Herr Gehlert bereits persönlich das Ruder bei der Worldwide Events Sports and Travel GmbH übernommen, die sich dann auch wie erwartet sehr positiv entwickelte. Es handelt sich bei dieser Gesellschaft um einen so genannten virtuellen Reiseveranstalter, der in seinem Angebot vorgibt, über große Kontingente für Pauschalreisen zu verfügen; tatsächlich besorgt er sich diese aber erst, wenn der Kunde ihm einen festen Auftrag erteilt hat. Bereits im ersten Jahr ihrer Geschäftstätigkeit erlöste die GmbH Herrn Gehlert zufolge einen zweistelligen Millionenbetrag und kam auf eine ordentliche Rendite – was den Aktionären der eMind AG aber nicht zugute kommt.
… nun gibt es aber eine zweite Chance
Der Vorstand teilte jedoch mit, dass sich nun noch einmal die Möglichkeit eröffnet, in ein ganz ähnliches Geschäft einzusteigen. Die eMind AG soll demnach künftig ebenfalls als virtueller Reiseveranstalter auftreten, allerdings nicht für Pauschalreisen, sondern nur für Linienflüge. Bisher bedient sich die Worldwide Events Sports and Travel GmbH, um diesen Baustein für ihr Angebot zu erwerben, einer externen Firma. Diese Dienstleistung könnte aber nach der Überlegung von Herrn Gehlert genau so gut die eMind AG abdecken.
Wenn die Einbringung zügig vollzogen werden kann, ergibt sich nach seiner Schätzung aus diesem Geschäft bereits im Jahr 2010 ein Umsatzvolumen im mittleren einstelligen Millionenbereich. Die Marge taxierte er, da die Dienstleistung von nur einer Person betrieben und die Kostenstruktur insgesamt sehr schlank gehalten werden kann, auf etwa 2 % vor Steuern. Das ist natürlich nicht allzu viel; das Geschäft ist aber dafür weitgehend risikolos und es sind vor allem keine Investitionen nötig, die die Zuführung frischen Kapitals erforderlich machen würden.
Bewertung der Aktie rechnerisch sehr günstig, …
Eine Kapitalerhöhung steht also vorerst nicht auf der Agenda. Damit bleibt es bei der eMind AG zunächst bei 350.000 ausgegebenen Aktien. Wenn also tatsächlich bereits in diesem Jahr 100 TEUR Gewinn erwirtschaftet werden – 2 % bei einem Umsatz von 5 Mio. Euro – wären das fast 0,30 Euro je Aktie, womit deren Bewertung bei einem Kurs von nicht einmal 0,80 Euro überaus günstig wäre. Zudem kündigte der Vorstand an, nach dem Abbau des Bilanzverlusts von noch 309 TEUR bereits in einigen Jahren eine Dividende ausschütten zu wollen. So lange können die Gewinne noch steuerfrei eingefahren werden.
… noch bestehen aber Risiken
Allerdings ist die Neuausrichtung noch nicht in trockenen Tüchern. Zwar verlief die Hauptversammlung diesmal in einem harmonischen Rahmen und der Notar musste keine Widersprüche zu Protokoll nehmen, womit der Umsetzung der Pläne nichts im Wege steht – noch ist dies aber, soweit bekannt, nicht geschehen. Weitere Informationen dürfte diesbezüglich die ordentliche Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2009 bringen, die bereits für den 17. März anberaumt ist. Die Tagesordnung umfasst einen derartigen Punkt zwar nicht. Da keine Kapitalmaßnahme erforderlich ist, braucht der Vorstand für den Neustart aber auch nicht die Zustimmung der Hauptversammlung.
Eigenkapital war Ende 2009 wieder positiv
Überraschend positiv fällt auf den ersten Blick der Jahresabschluss 2009 aus. Nachdem die Jahre zuvor mangels eines operativen Geschäfts regelmäßig Verluste angefallen waren, weist dieser nun einen Überschuss von stolzen 168 TEUR aus. Dies gelang jedoch nur dank einer Vereinbarung mit der Worldwide Events Sports and Travel GmbH, wonach diese die laufenden Kosten über Weiterbelastungen weitgehend übernommen hat – was auch zwingend nötig war, um die bilanzielle Lage zumindest einigermaßen zu stabilisieren. Nur durch diesen Gewinn gelang es, das Eigenkapital mit 41 TEUR wieder in den positiven Bereich zu drehen.
Investment nur für Nebenwerte-Fans
Alles in allem klingt es also danach, als ob sich die Geschichte der eMind AG doch noch zum Guten wenden würde. Für spekulative Investoren könnte sich ein Einstieg durchaus lohnen – sofern über die Börse überhaupt nennenswerte Stückzahlen zu erhalten sind. Von den insgesamt 350.000 Aktien ist schließlich nur ein kleiner Teil frei verfügbar, was sich in einem sehr geringen Börsenhandel widerspiegelt. Insofern kommt die eMind-Aktie als Investment nur für risikobewusste Investoren und echte Nebenwerte-Fans in Betracht.
Wichtiger Hinweis: Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
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